#6: Mit Ocean Activist Joachim Hjerl aus Dänemark
Shownotes
In der sechsten Episode von „ALGEN-TALK - ALGEN: Superfood aus dem Meer“ spricht FOODTALKER Boris Rogosch mit Joachim Hjerl aus Dänemark, dem Gründer der dänischen Organisation Havhøst, die mit so genannten Meeresgärten den regenerativen Anbau von Algen, Muscheln und Austern vorantreibt. Joachim Hjerl erklärt uns wie nachhaltige Lebensmittelproduktion und die Wiederherstellung unserer Meeresökosysteme Hand in Hand gehen können. Er spricht mit Boris darüber, wie lange es dauern wird bis Algen und Muscheln fester Bestandteil unseres Speiseplans sein werden, warum es so wichtig ist junge Menschen für das Thema zu begeistern und welche Chancen sich daraus für die nächste Generation ergeben. Das heutige Gespräch findet in englischer Sprache statt.
Lebensmittelanbau im Meer Havhøst hat ein Konzept für eine regenerative Landwirtschaft im Meer entwickelt. Muscheln, Meeresalgen und Austern werden gemeinsam angebaut. Damit ist es möglich nachhaltig Nahrung zu produzieren und gleichzeitig den Ozean wieder zu beleben. Die Kultivierung von Lebensmitteln im Meer ist noch ziemlich neu. Dabei bietet sie so viele Vorteile. Muscheln und Algen filtern die Nährstoffe aus dem Wasser und verwandeln sie in Eiweiß. Sie sind eine fantastische Antwort auf die Frage, was wir in Zukunft essen werden. Zudem hat die Nährstoffreduktion im Wasser einen positiven Einfluss auf die Meeresumwelt.
Wie werden Algen und Muscheln fester Bestandteil unseres Speiseplans? Aktuell sind Algen in unseren Küchen noch nicht sehr beliebt. Wir kennen sie vom Strand oder Schwimmen im Meer oder vielleicht als Teil von japanischem Essen. Wir befinden uns aber in einer Zeit großer Herausforderungen und Veränderungen auf unserem Planeten, die eine Veränderung in unseren Essgewohnheiten unumgänglich macht. Es wird nicht möglich sein, dass wir genau so weiter essen, wie in den letzten 150 – 200 Jahren. Wir werden irgendwann alle Algen essen. Die Voraussetzung dafür ist aber, dass wir sie lecker finden und gerne essen. Denn wir werden niemals mit dem Verstand und dem Kopf essen, sondern immer mit Herz und Bauch. Deshalb ist die Herausforderung unserer Zeit Algen und Muscheln in die bestehende Esskultur zu integrieren; in das Essen und die Gerichte, die wir bereits kennen. Ein großer Teil der Arbeit von Havhøst besteht aus Bildungsarbeit um den kulturellen Wandel schon bei der nächsten Generation anzustoßen. Kinder sind offen dafür, Neues auszuprobieren und erzählen dann ihren Eltern davon.
Die Entstehung von Havhøst Angefangen hat die Reise von Havhøst vor ca. 12 Jahren im Hafen von Kopenhagen mit dem Versuch dort Austern anzubauen und somit das Innere des Hafens für den Anbau von Lebensmitteln zu nutzen. Dies scheiterte am zu geringen Salzgehalt des Wassers. Aber der Versuch erregte Aufmerksamkeit und so entstand die Idee, die Lebensmittelproduktion in die Häfen von Städten zu bringen und die Menschen daran teilhaben zu lassen. Joachim fing an Erkenntnisse über die Regeneration und die Ökosystemleistungen zu sammeln, die Algen, Muscheln und Austern für den Ozean erbringen können. Er wollte Meeresschutz und Esskultur zusammen denken. Darin fand er seine Berufung und machte die Arbeit für Havhøst zu seinem Vollzeitberuf.
Meeresgärten rund um Dänemark Mittlerweile sind blaue Gemeinschaftsgärten, wie sie von Havhøst genannt werden, an verschiedenen Orten in Dänemark entstanden, in denen regenerative Arten wie Muscheln und Algen angebaut werden; urbanes Gärtnern im Wasser. Die Meeresgärten werden wie gemeinschaftliche Schrebergärten in Vereinen, nicht kommerziell, betrieben. Manche haben 15 Mitglieder, andere mehrerer Hundert. Die meisten bestehen aus Plattformen, die vom Land aus zu begehen sind, andere sind offshore angelegt. Austern, Muscheln und Algen wachsen an Leinen unter der Oberfläche in einem multitrophen Raum. Dieser wird zum Beispiel auch von Fischen als Zufluchtsort genutzt. Die Vereinsmitglieder bewirtschaften und beernten die Gärten gemeinsam. Mittlerweile gibt es mehr als 30 Meeresfarmen rund um Dänemark und auch andere Länder zeigen Interesse an dem Konzept. Die Produktion von Lebensmitteln im Meer ist super effizient, platzsparend und benötigt keinerlei Einsatz von Landflächen. Die große Hürde ist die Genehmigung durch die Behörden. Joachim berichtet von den Erfahrungen, die Havhøst dabei gemacht hat und welchen Weg sie mittlerweile mit den Behörden gefunden haben; der die Erlaubnis für die Errichtung eines Meeresgarten in Dänemark wesentlich vereinfacht.
Neue Perspektiven für die Fischerei Die Meeresgärten bieten auch eine große Chance für die Fischerei. Seit Jahren gehen die Fischbestände zurück, es gibt immer weniger Fischer und der Berufsstand droht auszusterben. Regeneratives Ocean Farming könnte auch für Fischer eine neue Perspektive bieten und ihnen ihren Arbeitsplatz auf dem Wasser sichern.
Alles in allem bieten die Meeresgärten zukunftsfähige Möglichkeiten, weiterhin marine Lebensmittel zu konsumieren und den Herausforderungen und Veränderungen unserer Zeit zu begegnen. Die Bevölkerung bekommt damit die Möglichkeit, mitzumachen, sich aktiv an den Veränderungen zu beteiligen.
Joachim Hjerls Vorstellung für unsere Zukunft in 10 Jahren Küstenfischer haben mit der Kultivierung von regenerativen Arten im Meer eine Revolution ausgelöst. Alle dänischen Küstenstädte, die früher Hotspots für Fischerei waren, sind jetzt Hotspots für Ocean Farming. Junge Menschen denken über eine Karriere im Bereich Lebensmittelanbau im Meer nach. Es ist eine lebendige Gemeinschaft von Meeresfarmern in ganz Europa entstanden. ** Joachims Rezeptempfehlung** Ein Burger mit Muschel-Seetang-Patty – liefert einen super Umami-Geschmack oder Erdnüsse in der Pfanne frittiert mit getrockneten Algen als Snack. Das ist für ihn die Zukunft unserer Ernährung; neue nachhaltige Lebensmittel wie Algen in das zu integrieren, was wir bereits kennen.
Weitere Infos und Links zur Episode: https://havhøst.dk
ENGLISH DESCRIPTION: In the sixth episode of “ALGEN-TALK - ALGAE: Superfood from the sea”, FOODTALKER Boris Rogosch talks to Joachim Hjerl from Denmark, founder of the Danish organization Havhøst, which promotes the regenerative cultivation of algae, mussels and oysters with so-called sea gardens. Joachim Hjerl explains how sustainable food production and the restoration of our marine ecosystems can go hand in hand. He talks to Boris about how long it will take for seaweed and shellfish to become an integral part of our diet, why it's so important to get young people excited about the topic and what opportunities it presents for the next generation. Today's conversation will be held in English.
Food cultivation in the sea Havhøst has developed a concept for regenerative agriculture in the sea. Mussels, seaweed and oysters are grown together. This makes it possible to produce food sustainably and at the same time revitalize the ocean. The cultivation of food in the sea is still fairly new. Yet it offers so many advantages. Mussels and algae filter the nutrients from the water and turn them into protein. They are a fantastic answer to the question of what we will eat in the future. In addition, the reduction of nutrients in the water has a positive impact on the marine environment.
How will seaweed and mussels become an integral part of our diet? Currently, seaweed is not very popular in our kitchens. We know them from the beach or swimming in the sea or perhaps as part of Japanese food. But we are in a time of great challenges and changes on our planet, which makes a change in our eating habits inevitable. It will not be possible for us to continue eating exactly as we have for the last 150 - 200 years. We will all eat algae at some point. But the prerequisite for this is that we find it tasty and enjoy eating it. Because we will never eat with our minds and heads, but always with our hearts and bellys. That is why the challenge of our time is to integrate seaweed and mussels into the existing food culture; into the food and dishes we already know. A large part of Havhøst's work consists of educational work to initiate cultural change in the next generation. Children are open to trying new things and then tell their parents about them.
The origin of Havhøst Havhøst's journey began around 12 years ago in the port of Copenhagen with an attempt to grow oysters there and thus use the interior of the port for growing food. This failed due to the low salinity of the water. But the attempt attracted attention and the idea was born to bring food production to the harbors of cities and let people participate in it. Joachim began to gather knowledge about the regeneration and ecosystem services that algae, mussels and oysters can provide for the ocean. He wanted to combine marine conservation and food culture. This is where he found his calling and made working for Havhøst his full-time profession.
Sea gardens around Denmark Meanwhile, blue community gardens, as they are called by Havhøst, have sprung up in various places in Denmark, where regenerative species such as mussels and algae are grown; urban gardening in the water. The sea gardens are run like community gardens in associations, not commercially. Some have 15 members, others several hundred. Most consist of platforms that can be accessed from land, others are set up offshore. Oysters, mussels and algae grow on lines below the surface in a multitrophic space. This is also used as a refuge by fish, for example. The members of the association manage and harvest the gardens together. There are now more than 30 sea farms around Denmark and other countries are also showing interest in the concept. Producing food in the sea is super efficient, space-saving and does not require the use of any land. The big hurdle is getting approval from the authorities. Joachim talks about Havhøst's experience with this and the path they have now found with the authorities, which makes it much easier to get permission to set up a sea garden in Denmark.
New perspectives for fishing The marine gardens also offer a great opportunity for the fishing industry. Fish stocks have been declining for years, there are fewer and fewer fishermen and the profession is in danger of dying out. Regenerative ocean farming could also offer new prospects for fishermen and secure their jobs on the water.
All in all, ocean gardens offer sustainable ways of continuing to consume marine food and meeting the challenges and changes of our time. This gives people the opportunity to join in and actively participate in the changes.
Joachim Hjerl's vision for our future in 10 years Coastal fishermen have started a revolution by cultivating regenerative species in the sea. All Danish coastal towns that used to be hotspots for fishing are now hotspots for ocean farming. Young people are thinking about a career in ocean food farming. A vibrant community of ocean farmers has emerged across Europe.
Joachim's recipe recommendation A burger with a mussel and seaweed patty - provides a super umami flavor or pan-fried peanuts with dried seaweed as a snack. For him, this is the future of our diet; integrating new sustainable foods such as algae into what we already know.
More info and links to the episode: https://havhøst.dk
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